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Das Arbeitszeugnis II

Zeugnisse sollen wohlwollend und wahr formuliert werden. Deshalb stehen in den Zeugnissen vordergründig nur positive Formulierungen. Den Klartext dahinter kann jedoch nur ein Fachmann erkennen.

Das Zeugnis ist auf einem Firmenbogen zu verfassen und muss von einem Vorgesetzten unterzeichnet sein. Auch die kleinsten Rechtsschreibfehler können als wertmindernd eingebaut werden. Es muss einem gewissen logischen Aufbau folgen und einen Schlusssatz aufweisen, der Zukunftswünsche und Dank für die geleistete Arbeit beinhalten sollte.


Sollte auf dem Firmenbogen die Telefonnummer des Zeugnisausstellers unterstrichen sein, so bedeutet dies, dass ein potentieller Arbeitgeber durchaus anrufen kann und die wahre Einschätzung des Mitarbeiters erfährt.


Folgende Formulierungen dürfen nicht wörtlich genommen werden, sondern bedürfen der Übersetzung:

 

  • Hat alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt → Bürokrat ohne Eigeninitiative
  • War ein gutes Vorbild durch seine Pünktlichkeit → das einzig Bemerkenswerte ist etwas Selbstverständliches, ansonsten schlechte Leistungen
  • Hatte die Gelegenheit, sich das notwendige Wissen anzueignen → Diese Gelegenheit hat der Arbeitnehmer jedoch nicht genutzt
  • Seine Bildung machte ihn stets zu einem gesuchten Gesprächspartner → er führte im Dienst lange Privatgespräche
  • Arbeitete als "Geschäftsführer" → die Anführungszeichen deuten Ironie an
  • War bei unseren Kunden schnell beliegt → machte schnell Zugeständnisse


Problematisch bei jeder Bewertung von Formulierungen ist jedoch, dass durchaus Großunternehmen in der Lage sind, die Zeugnissprache zu verstehen, Kleinunternehmer jedoch nicht in dem erforderlichen Maße informiert sein können. Es ist daher einem aus einem Kleinunternehmen ausscheidenden Mitarbeiter zu raten, das Zeugnis in Einvernehmen mit dem Arbeitgeber selbst zu formulieren und auf die exakte Anwendung der Zeugnissprache zu achten.


Dr. Margit Böhme
Dezember 2003


Arbeitsrecht - 01.12.2003

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