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Veränderte Adelsbezeichnung nach Geschlechtsumwandlung?

Das Bayerische Oberlandesgericht hatte darüber zu entscheiden, ob die Adelsbezeichnung Freifrau / Freiherr namensabhängig oder geschlechtsspezifisch ist. Zu dieser Fragestellung kommt es dann, wenn es zu einer Vornamensänderung nach § 1 Transsexuellengesetz kommt. § 1 gibt dem Betroffenen die Möglichkeit, auch ohne eine die äußeren Geschlechtsmerkmale verändernde Operation, das »Geschlecht« und den Vornamen von männlich zu weiblich oder umgekehrt zu verändern.

Nach dem als einfaches Bundesrecht weiter geltenden Art. 109, II Nr. 2 WeimRV sind ehemalige Adelsbezeichnungen mit der Aufhebung des Adels und seiner Vorrechte zu bloßen Namensbezeichnungen geworden und gehören zum Geburtsnamen. Obwohl grundsätzlich der Familienname und damit auch der ehemalige Adelstitel als Bestandteile des Familiennamen unveränderlich sind, entspricht es nicht dem Sinn des Transsexuellengesetzes, die ehemalige Adelsbezeichnung mit dem veränderten Vornamen beizubehalten. Dies würde bedeuten, dass es zu Möglichkeiten kommt, wie: Freifrau Herbert oder Freiherr Silvia. Obwohl die Bezeichnung Freiherr / Freifrau vom Geschlecht abhängt, ist der Betroffene trotz unterlassener Totaloperation als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen. Für das Auftreten in einer bestimmten Geschlechtsrolle ist es nach allgemeinem Verständnis von zentraler Bedeutung, wie der Betroffene angeredet wird: mit Herr oder Frau. Die Achtung vor der in § 1 Transsexuellengesetz vorgesehenen Rollenentscheidung erfordert deshalb auch die Anpassung der Adelsbezeichnung zum Vornamen.


Das Bayerische Oberlandesgericht entschied deshalb in seinem Beschluss vom 2. Oktober 2002 – 1 Z BR 98/02 -, dass der Standesbeamte angewiesen werden muss, die Geburtsurkunde mit dem Familiennamen Freifrau / Freiherr von .... auszustellen. Es ist dann weiter unerheblich, dass aus der Geburtsurkunde das unveränderliche ehemalige Geschlecht des Betroffenen hervorgeht.

Inken kronenbitter
August 2003


Familienrecht - 01.08.2003

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