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Monatsinfo

Glaubensgemeinschaft und Umgangsberechtigung

Das Amtsgericht Göttingen - Familiengericht - hat am 28. Februar 2002 unter dem Aktenzeichen 44 F 156/00 UG darüber entscheiden müssen, ob die bloße Zugehörigkeit eines Elternteils zur Glaubengemeinschaft der Zeugen Jehovas indiziert, dass dieser Elternteil nicht geeignet ist, Umgangsrechte zu seinen Kindern auszuüben.

Das Amtsgericht Göttingen - Familiengericht - entschied, dass - da eine Einigung der Elternteile nicht erzielt werden konnte - ein Ausschluss des Umgangsrechts nicht ausgesprochen werden kann. Das Familiengericht sah eine solche Entscheidung zum Wohl der Kinder nicht für erforderlich an. Die bloße Mitgliedschaft des einen Elternteils zu einer Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas deutet nicht auf eine Gefährdung des Kindeswohls hin. Das Familiengericht konnte nicht nachvollziehen, dass die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft einen negativen Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder nehmen könnte. Beeinträchtigende Faktoren und Umstände konnten nicht festgestellt werden. Insbesondere konnte nicht dargelegt und somit nicht festgestellt werden, dass der Elternteil die Kinder zu einer unreflektierten und intoleranten Haltung gegenüber anderen Glaubensrichtungen erziehen wolle. Das Familiengericht sah den Vortrag des Zeugen Jehovas als glaubwürdig an, dass dieser sich in der Vergangenheit und auch in der Zukunft stets bemühen wolle, die Kinder in Bezug auf seine Glaubenszugehörigkeit nicht zu beeinflussen.


Das Familiengericht forderte darüber hinaus vom anderen Elternteil, dass dieser den Kindern das Gefühl vermittle, dass die Besuche beim Elterteil, der den Zeugen Jehovas angehört, erwünscht sind.


Abwenden muss sich der Zeuge Jehovas von seiner Glaubensgemeinschaft nicht. Die religiöse Einstellung muss vom anderen Elternteil akzeptiert werden.


Inken Kronenbitter
März 2003


Familienrecht - 03.03.2003

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