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Monatsinfo

Mobbing

1. Das in jüngerer Zeit entstandene Wort "Mobbing" beschreibt ein altes Problem, nämlich die kollektive Mißachtung und aktive Herabwürdigung einzelner Arbeitskollegen. Allerdings ist der Inhalt des Begriffs nicht festgeschrieben. Anders ist dies in Frankreich: Das Gesetz Nr. 2002-73 über die soziale Modernisierung vom 17. Januar 2002 fügt in das französische Arbeitsgesetzbuch einen neuen Abschnitt "Kampf gegen Mobbing" ein. In Artikel 169 des Gesetzes wird das Mobbing definiert:


"Kein Arbeitnehmer darf Opfer wiederholter Mobbing-Aktionen sein, welche den Zweck oder die Wirkung haben, dass eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen eintritt, welche geeignet ist, seine Rechte oder eine Würde zu beeinträchtigen, seine physische oder psychische Gesundheit ungünstig zu beeinflussen oder seine berufliche Zukunft zu gefährden."
Das französische Recht unterscheidet also nicht zwischen "Mobbing" und "Bossing". Letzterer Begriff bezieht sich auf das Verhältnis Arbeitnehmer-Vorgesetzter. Unter Mobbing wird zwar üblicherweise das Verhältnis und Verhalten unter Kollegen verstanden, allerdings wird "Mobbing" auch als Über- und Sammelbegriff verstanden. Nach dem französischen Recht liegt Mobbing dann nicht vor, wenn nur einmalig gegen einen Arbeitnehmer vorgegangen wird.


2. Das französische Gesetz sieht als Sanktion lediglich vor, dass der Arbeitgeber alle "notwendigen Maßnahmen" zu treffen hat, damit es nicht zu Mobbing kommt. Worin diese Maßnahmen jedoch liegen sollen oder können, wird nicht aufgeführt. Zudem wird ein Vermittlungsverfahren angeboten, welches durch Bestellung eines Mediators das Problem lösen soll. Eine einschneidende Rechtsfolge des Mobbing wird jedoch durch die Einführung eines neuen Straftatbestandes geschaffen. Mobbing wird in Frankreich mit einer Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr und einer Geldstrafe von bis zu 15.000 Euro sanktioniert.


3. In Deutschland jedoch kann dem Mobbing lediglich durch den Hinweis auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers begegnet werden. Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass alle Arbeitnehmer ihren arbeitsrechtlichen Pflichten in Ruhe und Würde nachgehen können. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers hilft jedoch nur dann weiter, wenn ein Arbeitnehmer nur vom Mobbing unter Kollegen betroffen ist und nicht vom "Bossing".


4. Der vom Mobbing betroffene Arbeitnehmer sollte zunächst den Arbeitgeber auffordern, das Verhalten der mobbenden Kollegen durch arbeitsrechtliche Weisungen zu unterbinden. Der Arbeitgeber hat also zunächst den Sachverhalt aufzuklären und die Beteiligten anzuhören und sodann - falls erforderlich - einzugreifen. Dieser Eingriff kann reichen von der Erteilung eines Verweises oder einer Abmahnung bis zur Versetzung.


Dr. Margit Böhme
September 2002


Arbeitsrecht - 02.09.2002

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