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Das vom Architekten/Ingenieur geschuldete Werk ist ein Gesamtbegriff

Der Plan und die nach ihm hergestellte bauliche Anlage erschöpfen den Begriff des versprochenen Werkes nicht. Das vom Architekten/Ingenieur geschuldete Werk ist erst dann vollständig erbracht, wenn gleichzeitig der wirtschaftliche und rechtliche Erfolg eingetreten ist, soweit dies zur mangelfreien Erbringung des Werks erforderlich war. Diese aus einer Sachwalterschaft abgeleiteten Pflichtenkreise haben ebenfalls in die deskriptiven Leistungsbilder der HOAI Eingang gefunden. Bindet man das Leistungsbild auf, so ergeben sich drei die Leistungen eines Architekten/-Ingenieurs umschreibende Bereiche, die erfolgbezogen sind, nämlich

  • der technische Leistungsbereich,
  • der wirtschaftliche Leistungsbereich und
  • der rechtliche Leistungsbereich.

Jeder dieser Leistungsbereiche fordert in der Vertragszeit unterschiedliche Erfolgsstationen, denen es Rechnung zu tragen gilt. Bei dem technischen Leistungsbereich sieht man einen Aufbau von Leistungsphase zu Leistungsphase mit dem gleichen zwangsmäßigen End- oder Schlusspunkt (Ziel).


Der wirtschaftliche Leistungsbereich ist nicht isoliert auf einen Zielpunkt hin orientiert, sondern baubegleitend ausgerichtet mit einem Schwerpunkt am Anfang. Mit zunehmender Ausführungsfixierung rückt die Kostenkontrolle in den Vordergrund. Die Erfüllung der dabei unterschiedlich erforderlich werdenden Pflichten gehört zur mangelfreien Erbringung des Werks, so die wirtschaftliche Beratung bei der technischen Konzeption und deren Durchführung, die in dem technischen Leistungsbereich aufgeht. Eigenständig bleiben als Teilerfolge je nach Bauvor haben, Auftraggeber und dessen wirtschaftlichen Bedürfnissen bestehen die Kostenschätzung, Kostenberechnung, der Kostenanschlag und die Kostenfeststellung, die je zu ihrer Zeit zu erbringen sein könnten.


Ebenso ist der rechtliche Leistungsbereich nicht isoliert auf einen Zielpunkt hin orientiert, sondern baubegleitend ausgerichtet. Ein Teil fließt in den technischen Leistungsbereich ein, etwa das frühzeitige Ausrichten der baulichen Anlage nach Steuergesetzen oder den Genehmigungsanforderungen; dies gilt gleicher Weise für die Vertragsgestaltung bei der Vergabe. Eigenständig bleiben als Teilerfolge je nach Bauvorhaben das ordnungsgemäße Entwerfen der Werkverträge (Verdingungsunterlagen), die Führung des Bautagebuches, das gemeinsame Aufmaß, die Rechnungsprüfung und die Auflistung der Gewährleistungsfristen.


Dieter Kronenbitter
Juli 2003


Recht der Architekten und Ingenieure - 01.07.2003

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