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Architektenhonorar - Nachweis

Die Durchsetzung des Anspruches auf Architektenhonorar ist ein gerichtlicher Dauerbrenner. Fehlt ein schriftlicher Architektenvertrag mit klar umrissenen Leistungsinhalten, neigt so mancher Bauherr dazu, zwar die Planungsleistungen entgegen zu nehmen. Anschließend sieht sich der Architekt oft dem Einwand gegenüber, diese Leistungen habe der Bauherr gar nicht vertraglich mit dem Architekten vereinbart.

Das OLG Celle (Urteil v.11.12.2003 – 14 U 23/03, BauR 2004, 1969 ff.) hatte über eine Honorarklage des Architekten zu entscheiden, der auch für die Leistungsphasen 5 bis 8 des § 15 Abs.2 HOAI Honorar einklagte. Dagegen wandte der Bauherr ein, er habe lediglich die Leistungsphasen 1 bis 4 beauftragen wollen. Der Architekt konnte im Prozess Urkunden vorlegen, also Zeichnungen, Vergabeunterlagen, Abrechnungsschreiben und Rechnungsprüfungsunterlagen. Mit diesen konnte er im Ergebnis darlegen und beweisen, dass er die Leistungsphasen 6 bis 8 abgearbeitet hatte. Das OLG Celle führte hierzu aus:


»Weist der Architekt durch Vorlage entsprechender Urkunden (z.B. Zeichnungen, Vergabeunterlagen, Abrechnungsschreiben, Rechnungsprüfung) nach, dass er Arbeiten, die zu den Leistungsphasen 6 bis 8 gehören, erbracht hat, reicht es nicht aus, wenn der Bauherr eine Auftragserteilung bloß bestreitet und Unentgeltlichkeit geltend macht. Vielmehr ist in diesem Fall vom – zumindest stillschweigenden Zustandekommen eines Architektenvertrages auszugehen. . . . «


Der Architekt konnte im Prozess einen Leitzordner über die Ausschreibung der Gewerke für das Bauvorhaben vorlegen. Mit diesen Unterlagen gelangte das Gericht zu der Überzeugung, die Leistungsphasen 6 bis 7 seien erbracht. Die Leistungsphase 8 sah das Gericht ebenfalls als erfüllt an, weil der Architekt nachweisen konnte, bei der Abnahme mitgewirkt zu haben, sämtliche Rechnungen nach Zusendung durch den Bauherren geprüft zu haben und auch die Koordinierung der Arbeiten belegen konnte. Dem Einwand des Bauherren, er habe den Architekten im Zuge der Bauüberwachung nur zweimal auf der Baustelle gesehen, maß das OLG Celle keine entscheidende Bedeutung zu.


Fazit: Eine sorgfältige Dokumentation der erbrachten Planungsleistungen kann den Prozesserfolg maßgeblich fördern, sollte ein Vergütungsprozess mit dem Bauherren notwendig werden.


Dr. Hanspeter Benz
Januar 2005


Recht der Architekten und Ingenieure - 03.01.2005

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