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Monatsinfo

Fragen zum Anspruch des Arbeitnehmers auf ein Arbeitszeugnis

Bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses kann der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber die Erteilung eines Zeugnisses verlangen. Die Rechtsgrundlage hierfür findet sich in der allgemeinen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und seit dem Jahr 2003 in der Gewerbeordnung.

Allerdings ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, von sich aus ein Zeugnis auszustellen. Der Arbeitnehmer muss das Zeugnis ausdrücklich verlangen (Ausnahme: Auszubildende). Auch Arbeitneh-mer in einem Probearbeitsverhältnis können selbst nach einer nur äußerst kurzen Beschäftigungszeit ein zumindest einfaches Zeugnis fordern. Nach der Rechtsprechung kann ein Arbeitnehmer, der lediglich 6 Wochen gearbeitet hat, bereits ein qualifiziertes Zeugnis verlangen.


Verlangt der Arbeitnehmer ein einfaches Zeugnis und erhält er ein qualifiziertes Zeugnis, so kann er dieses zurückweisen.


§ 109 Abs. 1 GewO unterscheidet zwischen dem einfachen und dem qualifizierten Zeugnis. Das einfache Zeugnis enthält Angaben zur Person sowie über die Art und Dauer der Tätigkeit. Die von dem Arbeitnehmer erledigten Tätigkeiten sind präzise darzustellen. Die Gründe und die Umstände der Beendigung des Arbeitsverhältnisses sind im einfachen Zeugnis nicht zu nennen. Wünscht allerdings der Arbeitnehmer Angaben zum Beendigungsgrund, so sind diese in das einfache Zeugnis mit aufzunehmen. Das qualifizierte Zeugnis enthält zudem Angaben über die Leistung und Führung (beispielsweise das Sozialverhalten) im Arbeitsverhältnis. Auch die Persönlichkeit des Arbeitnehmers wird umfassend gewürdigt.


Im Zeugnisrechtsstreit ist der Arbeitgeber darlegungs- und beweispflichtig für eine unterdurchschnittliche Leistung des Arbeitnehmers. Begehrt der Arbeitnehmer eine bessere als die durchschnittliche Beurteilung, so ist er darlegungspflichtig hinsichtlich der Tatsachen, die eine bessere als durchschnittliche Bewertung rechtfertigen. Erschüttert der Arbeitgeber die vorgetragenen Tatsachen, liegt die Beweislast für diese Tatsachen beim Arbeitnehmer.


Dr. Böhme
März 2005


Arbeitsrecht - 01.03.2005

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